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Das Food Court - ein Erfolg |
Thomas Aurich und sein „Food Court'le" erschienen: Hotel Restaurant 2/97 Es gibt nichts, was man nicht schaffen kann, wenn man wirklich will", sagt der smarte Vierziger und lächelt dabei überzeugt. Man hört es erstaunt und glaubt ihm irgendwie doch, denn der Weg, den Thomas Aurich in seinem Berufsleben bisher zurückgelegt hat, ist ein starker Beleg für diese Behauptung: Was er in der Gastronomie anpackte, machte er zu einem Erfolg - zuletzt seinen Food Court in Heilbronn, einen Biergarten, der in einem guten Monat schon mal 100 000 Besucher anlockt. Dabei ist Thomas Aurich schwer einzuordnen, der typische Wirt - wenn's den denn gibt - ist er jedenfalls nicht. Wer ihn zum ersten Mal trifft, glaubt eher einen Manager oder Unternehmensberater vor sich zu haben. Nur auf Versammlungen des Hotel- und Gaststättenverbandes ist das Beruferaten bei Thomas Aurich einfach, des Umfeldes wegen. Aber selbst da wirkt er manchmal (noch) wie ein Exot, weil er anders denkt und anders argumentiert als die meisten seiner Kollegen. Dennoch wählten sie ihn zum Kreisvorsitzenden in Heilbronn. „Wenn man wirklich will . . ." Thomas Aurich wollte, weil er etwas bewegen will. Seine Maxime dabei: „Nicht der Versuch zählt, nur der Erfolg." Das klingt ein bißchen vermessen, ist aber nicht so gemeint, denn Aurich versteht sich keineswegs als Überflieger. Er weiß, daß für den Erfolg verschiedene Faktoren maßgebend sind. Zum Beispiel Ideen, Hartnäckigkeit und viel, viel Arbeit... Ideen hatte der Mann mit dem breiten Scheitel schon immer. Schon mit 16 Jahren machte er in Karlsruhe die erste Kneipe auf, inoffiziell natürlich, in der Nähe seines Gymnasiums. Der Bedarf war da, der Laden florierte. Das große Geschäft aber war es noch nicht. Das war auch nicht so geplant, denn die Getränke gab es zu Selbstkostenpreisen. Für die Kundschaft war das glaubhaft, weil sie im Winter der Heizkosten wegen ein paar Pfennig mehr kosteten als im Sommer. Studium hinterm Tresen Nach der Schule folgte ein Studium der Touristik und der Hotelbetriebswirtschaft an der Fachhochschule in Heilbronn. Sozusagen im Nebenfach studierte er natürlich auch die Heilbronner Gastronomie, was damals noch kein so sonderlich großer Aufwand war. Schon, noch während seiner Studienzeit, wurde er Geschäftsführer des „Schwarzen Katers", einer Schüler-, Studenten- und Schauspielerkneipe. Mit deren Inhabern, Reinhold Münz und Hans-Peter Gerber, gründete er ein Jahr später die Akrogast GmbH - eine Grundlage, auf der immer wieder neue Szenekneipen entstanden. Schon die schnelle Folge der dann folgenden Neueröffnungen zeigt, daß diese Akrogast GmbH es ernst nahm mit ihrem noch heute geltenden Motto, das da lautet: „Wir machen Heilbronn lebendig." Ein Hit wurde das Bierdorf „Altstadt" aus dem Jahr 1983, eine Studentenkneipe in einem Tonnengewölbe. 850 Quadratmeter Bistro, Bühne, Tanzfläche, Pizzeria, Spielsalon und zahlreiche Aktionen, die für Leben in der Bude sorgten. Immer Zielgruppen im Visier Schon da wurde eine Grundrichtung von Aurichs Geschäftsprinzip sichtbar: Er hat stets nach neuen Zielgruppen Ausschau gehalten, ein für sie maßgeschneidertes Konzept vorgelegt und umgesetzt. „Uncle Sam" war die logische Folge, ein Amerikaner-Lokal in einer Stadt, in der es damals 7000 GIs gab. „Die tranken 15 Weizenbier und gingen noch gerade nach Hause", beschreibt der Akrogast-Geschäftsführer diese Klientel. Klar, daß auch diese Idee zum Erfolg wurde. Das „Bukowski" schließlich wurde wie das „Uncle Sam" zu einem Anziehungspunkt weit über Heilbronn hinaus. Wer das Werk des amerikanischen Kult-Literaten Charles Bukowski kennt, weiß auch ungefähr die Zielrichtung: Da traf sich nicht unbedingt die Hausfrauengruppe nach der Gymnastikstunde, dieser Nachtschwärmertreff war eher was für Singles, die noch Lust auf Gymnastik hatten. 1991 eröffnete der „Koma inn drug-store" - in dessen Mittelpunkt eine Original-Apotheken-Einrichtung von 1880 stand - auch das eine Szene-Kneipe. Doch schon ein Jahr zuvor schlug Aurich bereits den Weg in eine ganz andere Richtung ein. Eine Cocktail-Bar hatte er sich in den Kopf gesetzt, und so wie er sonst gerne Messen besucht, um neue Ideen zu gewinnen, so gewissenhaft bereitete er sich auch auf dieses Vorhaben vor: Im Kölner Maritim machte er eine Ausbildung zum Barkeeper, und selbstverständlich traterauch der Deutschen Barkeeper-Union bei, denn sein Ziel war ehrgeizig. Das „Caipirinha", so der Name der postmodernen Bar in Theaternähe, sollte internationalen Ansprüchen genügen. Wer heute in die Karte schaut, erkennt: Das ist gelungen. Die Klassiker unter den Drinks finden sich darin ebenso wie Ausgeflipptes. Die Auswahl hält jedem Vergleich stand, und vor allem bietet sie auch jenen was, die noch nicht den ganz großen Geldbeutel mit sich herumschleppen. Ein Stück Paris in Heilbronn Im gleichen Jahr wird die Palette der Akrogast-Unternehmungen durch ein Cafe erweitert: Das „Schümli" in Heilbronns Fußgängerzone ist fast ein Stück Paris mitten im Schwabenland, denn Baguette- und Brioche-Teig werden tatsächlich aus Frankreich eingeflogen - täglich. „Weil es einfach anders schmeckt", begründet Thomas Aurich diesen Aufwand. Die Gäste sind offenbar gleicher Meinung, denn über mangelnden Zulauf kann er nicht klagen. Das „Schümli" ist immer gut gefüllt, und im Sommer ist es auch schwer, an den Tischen davor einen Platz zu er-gattern. Das war nicht immer so. Anfangs wollte das Cafe überhaupt nicht laufen. Es fehlte an der Identifikationsfigur. Seit Aurich in der charmanten Maria Haller diese Person gefunden hat, läuft der Laden. Immer auf der Suche nach Neuem Nicht alle diese Betriebe werden heute noch von der Akrogast GmbH betrie-ben. Manche sind inzwischen abgestoßen, andere verpachtet. Nur die Bar, das „Schümli" stehen noch unter der Regie der Akrogast. Thomas Aurich weiß, wer auf den Trend setzt, muß beweglich bleiben: „Das ist eine ständige Abfolge von Wellen." Solche Wellen muß man im Ansatz erkennen, um mit ihnen hochzukommen. Deshalb denkt Aurich auch ständig über Neues nach, besucht gerne Messen, um sich Anregungen zu holen, und fährt auch schon mal in die USA, um dort zu lernen. Er nimmt nämlich gar nicht für sich in Anspruch, ständig die besten Ideen zu haben. Wenn er eine sieht, die ihm gefällt, greift er die auf, und wenn da einer ist, der eine bessere hat, gibt er ihm die Möglichkeit, sie umzusetzen. So arbeitete er zum Beispiel früher in der „Altstadt" mit einem „Tagesgeschäftsführersystem". Jeden Abend war ein anderer freier Mitarbeiter für Programm und Personal verantwort-lich. Das brachte gesunde Konkurrenz und Abwechslung. Die Idee zu seinem jüngsten Projekt brachte Aurich zum Beispiel aus Shanghai mit: Den dortigen Food-Court hat er einfach auf Heilbronner Verhältnisse übertragen, verkleinert natürlich und etwas modifiziert. Landhaus Food Court heißt das Ding jetzt, und dahinter verbirgt sich ein Biergarten mit 2500 Quadratmeter Fläche. Wer da nun aber an bayerische Verhält-nisse denkt, ist schief gewickelt: „Wer uns Ähnlichkeit mit einem bayerischen Biergarten unterstellt oder eine solche vermutet oder gar derartige Vermutungen weiterträgt, wird mit Versorgungsentzug nicht unter einer Stunde bestraft", drohen Thomas Aurich und sein Partner bei die-sem Projekt, Andreas Maier, ihren Gästen an. Die Gefahr läuft aber nur, wer ohne-hin genug getrunken hat, denn in der Tat ist da am Neckarufer in Heilbronn etwas ganz anderes entstanden: Mehrere selb-ständige Betreiber sorgen in architekto-nisch ansprechenden, atriumförmig an-gelegten Ständen für Abwechslung und Vielfalt bei Speisen und Getränken: „Die Konkurrenz untereinander kommt dem Gast zugute", freut sich Aurich darüber, daß sein l ,2 Millionen Mark teures, 1994 gestartetes Projekt voll aufgegangen ist. Bis zu 4500 Besucher kommen am Tag, 2000 sind es fast immer, wenn geöffnet ist, so daß in einem guten Sommermonat mehr als 100 000 Gäste gezählt werden. Das Vorbild, das Hawker-Food-Center, hat 88 Stände, in Heilbronn sind es nur fünf, dennoch klingt es angesichts solcher Be-sucherzahlen fast etwas zu bescheiden, wenn Aurich seine schwäbische Antwort auf Singapur deshalb als „Food Court'le" bezeichnet. Außergewöhnlicher Service Der Andrang ist gut zu bewältigen, denn der Standort ist gut gewählt: Thomas Aurich hat das Gelände vom VfR Heilbronn direkt neben dessen Stadion gepachtet, so daß für den Autofahrer in unmittelbarer Nachbarschaft 800 Parkplätze zur Verfügung stehen. Das Beste aber: Es gibt keine Nachbarn, die sich beschweren könnten, selbst wenn bis nachts um l Uhr gewirtet wird. Das ist aber nur der äußere Rahmen; was den Food Court so erfolgreich macht, sind auch die vielen, vielen Kleinigkeiten, an die seine Betreiber gedacht haben. Für die großen Gäste werden Taxis kostenlos gerufen, und wer Bargeld braucht, kann an der Kasse bis zu 1000 Mark gebührenfrei abheben. Ganz besonders viel aber wird für die kleinen Gäste getan: Da gibt es ei-nen Wickelraum für Babys, in dem auch ein Mikrowellengerät zur Erwärmung von Babynahrung steht. Am Getränkestand werden Windeln vorrätig gehalten. An Sonntagen gibt es Kasperletheater, Zaubereien und Kinderbetreuung kostenlos. Ein riesiger Spielplatz mit anspruchsvollem Spielgerät - unter anderem 15 robuste Tretautos von der Firma Big, die Sonder-konditionen für Gastronomen bietet - hält die größeren Kinder bei Laune und. zeigt, daß Thomas Aurich - inzwischen selbst Vater zweier kleiner Kinder - diese Zielgruppe besonders ernst nimmt. Soziale Verantwortung angenommen Ernst nimmt der Akrogast-Geschäftsführer auch seine soziale Verantwortung als Unternehmer. Eine Selbstverständlichkeit ist es für ihn, seine Geschäfte so umweltverträglich wie möglich zu betreiben. Im Food Court beispielsweise gibt er regionalen Produkten den Vorzug, um Transportwege zu sparen. Eine Ewigkeit hat er gesucht, bis er Strohhalme fand, um die Plastikröhrchen zu ersetzen und so den Müll zu verringern. Und im „Schümli" geht für jede verkaufte Tasse Karfee so viel Geld an die Umweltschutzorganisation OVO Verde, daß die dafür einen Quadratmeter Regenwald kaufen kann. Inzwischen sind fast 28 Hektar zusammengekommen. Von der Pennäler-Kneipe über den Nachtschwärmer-Treff bis zu einem solchen Unternehmen spannt sich ein weiter Bogen. Für Thomas Aurich ist das kein Problem, eher eine natürliche Entwick-lung. Vorbei sind die Zeiten, in denen alle ihn Thommy nannten, jetzt ist er der Chef und sagt: „Man muß mit seiner Altersgruppe altern." Soll heißen: Glaubwürdigkeit gehört schon mit dazu, wenn man Trend-Gastronomie macht. Thommy war in einer Studentenkneipe am rechten Platz; Aurich, der Chef, freut sich, daß er mit dem Food Court etwas gefunden hat, das „auch in 20 Jahren noch läuft, wenn wir nicht viel falsch machen". Vision: ein reines Kinder-Lokal Doch Thomas Aurich wäre sich selbst nicht treu, wenn er es dabei bewenden ließe: Während er noch heftig darüber nachdenkt, wie er mit seiner Food Court-idee auch in anderen Städten Fuß fassen und ins Franchising-Geschäft kommen kann, bewegt er schon wieder ein neues Projekt in seinem Kopf. Diesmal soll es ein reines Kinderlokal sein, in dem die Rollen vertauscht sind: eine 1000 Quadratmeter große Halle, in der die Kinder Pizza backen, sich die Pommes frites mit einem Bagger schaufeln oder Bierdeckel bemalen. Die Eltern können sich dann in einen Nebenraum zurückziehen, wenn sie nicht stören sollen oder der Ruhe bedürfen... Hotel Restaurant 2/97
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