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Die Freiluftgastronomie boomt Außenbereich: Ideen machen Umsatz Freiluft-Konzept: Biergarten mit Buden erschienen: Hotel & Technik 1/97 Die Freiluftgastronomie boomt. Wer an heißen Sommertagen keinen Platz im Freien anzubieten hat, blickt meist neidisch auf die Konkurrenz. Mit ein paar Stühlen und Tischen unter freiem Himmel ist es freilich längst nicht mehr getan. Vom Boom profitiert, wer Ideen oder ein schlüssiges Konzept entwickelt. Thomas Aurich und sein Partner Andreas Maier zeigen in ihrem Heilbronner „Food Court", wie es geht. Wer uns Ähnlichkeit mit einem bayerischen Biergarten unterstellt oder eine solche vermutet oder gar derartige Vermutungen weiterträgt, wird mit Versorgungsentzug nicht unter einer Stunde "bestraft", warnen die beiden Betreiber ihre Gäste. Die Gefahr besteht indes wohl nur für Besucher, die ohnehin schon zu tief ins Glas geschaut haben, denn zu einmalig präsentiert sich, was Thomas Aurich als „begehbare Speisekarte" bezeichnet. Er und die von ihm mitbegründete Akrogast GmbH haben neben dem „Landhaus Food Court" mit dem „Caipirinha" noch eine gutgehende Bar in Theaternähe und mit dem „Schümli" ein florierendes Cafe in der Heilbronner Fußgängerzone. Groß geworden aber ist Aurich in der Szene-Gastronomie, und deshalb ist er es gewohnt, stets nach Neuem Ausschau zu halten. Die Idee zum Food Court brachte der studierte Hotelbetriebswirt aus Singapur mit. Dort gibt es das „Hawker Food Center", ein riesiges Areal mit 88 selbständigen Ständen. Was Aurich 1994 zusammen mit Andreas Maier in Heilbronn daraus machte, nennt er die schwäbische Antwort auf Singapur. Sein „Food Court'le" hat fünf Stände mit unterschiedlichem Angebot, an denen sich die Gäste selbst versorgen und die Herstellung der Speisen miterleben können. Die im Schwäbischen so beliebte Verniedlichungsform ist allerdings ein starkes Understatement- und das gleich aus zwei Gründen: Zum einen bietet der kulinarische Biergarten Platz für 1500 Besucher und zum anderen lockt er im Monat mehr als 50000 Besucher. An guten Tagen werden bis zu 4500 Gäste gezählt. Dieser Erfolg hat neben der in Deutschland bislang einmaligen Idee eine Menge Gründe, die von der durchdachten Planung bis hin zu einer Fülle von Details reichen. Das fängt mit der Platzwahl an. Aurich hat das Gelände vom VfR Heilbronn gepachtet, direkt am Stadion, nahe des Freibades und am Neckar gelegen, aber weit ab von jeder Bebauung. Die Vorteile: 800 Parkplätze und ein riesiger Fahrradabstellplatz standen von vorneherein zu Verfügung, und selbst bei einer Öffnungszeit bis nachts um ein Uhr meckert kein schlafhungriger Nachbar. Überlegung steckt auch in der Art der baulichen Anlage: Aurich und sein Partner haben das namensgebende Landhaus, die Vereinsgaststätte des VfR Heilbronn, mitgepachtet. Mit ihm zusammen bilden die neugebauten Verkaufsstände und Vorratsräume ein auf einer Seite offenes Atrium. Dazwischen liegt der Biergartenbereich unter herrlich altem Baumbestand. Von der Atriumbauweise versprachen sich die Bauherren einen Temperaturvorteil, und sie haben sich nicht verrechnet: Messungen ergaben, daß im Biergarten trotz seiner Lage abends die Temperaturen der Innenstadt gehalten werden können. Für das richtige Klima ist also gesorgt. Originelle Steinaufbauten, aus denen dezente Hintergrundmusik kommt, historischen Vorbildern nachempfundene Straßenlaternen, an die Jugendstilzeit erinnern-die Pavillons schaffen die richtige Atmosphäre und bei der Orientierung helfen alten Straßenschildern nachgebildete Hinweisschilder, die den Gast durch den 2500 Quadratmeter großen Biergarten führen - zum Beispiel zu den Sanitärräumen, die exemplarisch dafür stehen, daß die Planersich rundherum Gedanken über die Bedürfnisse ihrer Gäste gemacht haben. Da gibt es selbstverständlich auch ein behindertengerechtes WC, das alternativ als Baby-Wickelraum dient. Außerdem finden die Mütter hier ein Mikrowellengerät, damit sie die Nahrung für die Kleinen auf die richtige Temperatur bringen können. Auf das Speisenangebot für die größeren Gäste und seine Qualität versucht die Akrogast Einfluß bei der Auswahl der Pächter zu nehmen. Dabei achtet Aurich natürlich darauf, daß die Gäste beim Begehen der „Speisekarte" tatsächlich auch eine Wahl haben. Der Umstand, daß die Besucher an jedem Stand dem Koch sozusagen auf die Finger schauen können, sorgt für eine zusätzliche Qualitätsgarantie. Im Angebot sind regionale und internationale Gerichte. Bei den Getränken aber hat Thomas Aurich Wert auf regionale Versorgung gelegt: Der naturtrübe Apfelsaft kommt von einer benachbarten Firma, der Wein von Heilbronner Winzern und die Spirituosen aus einer Brennerei in einem Nachbarort von Heilbronn. Seinen Gästen sagt Aurich auch warum: Um der Umwelt zuliebe lange Transportwege zu sparen. Nicht gespart hat Aurich bei der Einrichtung für seine kleinen Besucher. „Kinder sind die Gäste der Zukunft", weiß er, und für Eltern ist es natürlich ein Anreiz, wenn sie ihren Nachwuchs gut aufgehoben und beschäftigt wissen. Neben Angebot und Ambiente entscheidet mehr und mehr der Service darüber, ob eine gastronomische Idee angenommen wird oder nicht. Thomas Aurich, Geschäftsführer der Heilbronner Akrogast GmbH, hat das erkannt und einige zusätzliche Dienstleitungen und Ideen in sein Food CourtKonzept aufgenommen: • Neben Baby-Wickelraum mit Mikrowellengerät zur Erwärmung von Babynahrung gibt es für Notfälle auch kostenlos Universalwindeln. • Wer nach Alkoholgenuß sein Auto lieber stehenlassen und seinen Führerschein nicht riskieren will, dem wird kostenlos ein Taxi gerufen. • Wer nie Zeit hat, sich mit Bargeld zu versorgen, kann ab 50 Mark seine Rechnung auch mit der Scheckkarte begleichen oder sich bis zu 1000 Mark gebührenfrei auszahlen lassen. • Wer gerne mit gutem Gewissen gemeßt, auch dem wird hier geholfen: Eine Mark pro angezapftes Faß Bier geht an eine gemeinnützige Organisation, die einen Kindergarten betreibt. Eine weitere Mark wird an die Solar- und Energieinitiative Heilbronn abgeführt. Deshalb gibt es im Food Court neben den selbstverständlichen Kinderstühlen einen großen Kinderspielplatz mit allerlei Attraktionen: Da können sich die Kids zum Beispiel als Baggerführer üben oder in Plastik-Buggys ihre Runden drehen. Der große Fuhrpark stammt von der Firma Big aus Fürth, die eigens eine Gastro-Line geschaffen hat und mit ihr Sonderkonditionen für die Gastronomie anbietet. Marketing mit anderen Geschäftsleuten: Daß Thomas Aurich ein Typ ist, der weiß, daß man über den engen eigenen geschäftlichen Bereich hinaus denken muß, wenn man Erfolg haben will, ist Stadtmarketing für ihn ein Thema, in das er viel Engagement und Ideen einbringt. Eines der vielen Ergebnisse dieser Arbeit: Das „Taxi-Boot", das der Akrogast-Geschäftsführer zusammen mit einer Aktionsgemeinschaft Heilbronner Kaufleute initiiert hat. Das ist ein altes Flußboot, das gechartert wurde, um zunächst versuchsweise an den Samstagen Heilbronn-Besucher von den Parkplätzen in den Außenbereichen in die Stadt zu bringen. Die Idee kam so großartig an, daß aus dem Versuch längst eine feste Einrichtung geworden ist. Selbstverständlich schippert dieses Boot seine Fahrgäste nicht nur in die City: Beim Landhaus Food Court gibt es auch eine vielbenutzte Anlegestelle... Von der profitieren natürlich Betreiber und Pächter des kulinarischen Biergartens, aber auch die Geschäfte in der Innenstadt, denn der Food Court ist längst zu einer Einrichtung geworden, deren Attraktion weit über Heilbronn hinausreicht. Erwin Kiefer
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