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Mit Zuversicht und guten Ideen ins kommende Draußen-Geschäft Allgemeine Hotel- und Gaststätten- Zeitung 26.März 2005 Ende der 70er Jahre galt es fast noch als unanständig, sich tagsüber unter der Woche in einem Straßencafé - sozusagen - herumzutreiben. Damals hieß es: Was werden denn die Leute sagen? Heute dagegen suchen die Menschen wann immer es geht nach einer kleinen Auszeit. Unter freiem Himmel ein Bier zu trinken oder einen Espresso zu genießen ist fast wie ein Kurzurlaub. Das weckt Erinnerungen an die Ferien im Süden. Der Alltag der Deutschen ist längst durch den entspannten Lebensstil der Mittelmeerländer geprägt. Ein ansehnlicher Beweis für diese lebensgefühl ist die Tavola verde. Manfred Siegwarth, Inhaber der gleichnamigen Gartenmanufaktur in Singen-Bohlingen, bringt den Süden zum Greifen nahe: Mitten aus einer Tischplatte sprießen Olivenbäume, Feigensträucher, alte Reben oder Palmen, auf Wunsch auch Kastanienbäume. Statt aufwändiger Dekoration rege hier die Natur Seele und Geist der Gäste an, versichert der Erfinder. Und wo in Schönheit geschwelgt wird, ensteht meist auch ein Markt der Eitelkeiten. Es geht ums sehen und gesehen werden. Kein Wunder, dass das Outfit der Außengastronomie immer attraktiver und vielfältiger wird. Die Industrie hat den Trend erkannt und zweckmäßige sowie formschöne Produkte entwickelt, um die Freiluft-Saison zu verlängern: Robustes und dennoch oft filigranes Mobiliar, Decken, Heizsysteme, Windschutz, Leuchten, hochwertige Schirme und Markisen. Aber genügt das, um als Gastronom draußen erfolgreich zu sein? "Um sich von der Masse abzuheben, braucht man auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Thomas Aurich. Er hat Heilbronn zur Beirgartenhauptstadt Baden-Württembergs gemacht. 1994 eröffnete der Gastronom gemeinsam mit einem Geschäftspartner direkt am Neckar auf 2500 Quadratmetern seinen Food Court. "Wenn jemand zum Beispiel einen einzigartigen Wurstsalat hat, dann sollte er seine ganze Gastronomie darauf ausrichten, angefangen beim Wurstsalatbuffet." Jeder kann etwas, was der andere nicht oder noch nicht hat. Aurich sammelt Alleinstellungsmerkmale, am liebsten gepaart mit Superlativen. Vor zwei Jahren machte er bundesweit Schlagzeilen, weil sein Biergarten in Heilbronn das erste Lokal in Deutschland war, in dem man per Fingerabruck seine Zeche bezahlen konnte. Die neue Technologie hat sich bei seinen Kunden zwar nicht durchgesetzt aber die Publicity war enorm. Mit 1500 Sitzplätzen gilt der Food Court als größter Biergarten außerhalb Münchens, überwiegend unter dem Laubdach alter Bäume gelegen. An guten Tagen besetzen 4500 Menschen die Festzeltgarnituren, im Monat sind es rund 50.000. Das Prinzip des Food Court funktioniert so: An fünf Ständen mit unterschiedlichem Angebot können sich die Gäste selbst versorgen und die Herstellung der Speisen miterleben. Eine Idee, die der Gastronom einst aus Singapur mitbrachte. Aurich feilt unermüdlich an seinem Gastro-Konzept. In den Komfort seiner Gäste investiert er einiges. Und weil Kinder bei seiner Entscheidung, wo die Familie am Wochenende einkehrt, meist mehr als ein Wörtchen mitzureden haben, kümmert er sich um die kleinen Kunden ganz besonders. Ess gibt einen Wickeltisch, einen Spielplatz, Elektrobagger, einen Bobbycar-Fuhrpark mit 15 verschiedenen Modellen, eine Kletterwand, Feste und sonntags von 14 bis 18 Uhr ein spezielles Programm. Weil in dem Biergarten Rücksicht auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern genommen wird, trifft sich hier inzwischen regelmäßig ein Stammtisch mit Behinderten aus dem ganzen Land. Der Gastronom organisiert Nordic Blading für Inline-Fahrer mit Startpunkt beim Food Court. Die meisten Fehler in der Außengastronomie werden laut Aurich jedoch bei Wärme und Licht gemacht. Entweder reicht die Beleuchtung nicht, um die Speisekarte lesen zu können oder man wird von einer Glühbirne unangenehm geblendet. Um das zu überprüfen, setzt sich der Wirt zu Beginn der Saison auf jeden seiner 1500 Plätze. Gemütliche Lagerfeuerromantik erreicht man mit Fackeln oder Holzklötzen, die langsam wie Kerzen verbrennen. Sein neuester Clou: Merchandising. "Diese Tonkrüge sind mir bei einem Freund aufgefallen", sagt Aurich. Kurz darauf ließ er Krüge mit eingeprägtem Food Court-Signet anfertigen. Von den Gästen wurden die originellen Behälnisse im vergangenen Jahr begeistert aufgenommen. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern sollen das Bier auch länger kühl halten. Diese Saison können Biergartenbesucher die Krüge für 15 Euro kaufen, mit Deckel kosten sie noch 5 Euro mehr. Wer weiß, was Aurich sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einfallen lässt. Eines ist ihm bereits jetzt klar: "Wer 2006 keine Großleinwand hat, um die Übertragung der Spiele zu zeigen, der hat verloren."
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