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Brigitte Radtour
Mit dem Fahrrad durch ganz Deutschland
Die große Brigitte Radtour Brigitte 06/2005
Von der Ostsee bis nach Oberbayern
Deutschland neu entdecken: 2500 Kilometer führt unsere Tour auf den schönsten Wegen von Flensburg bis Rosenheim. In sieben Folgen stellen wir Ihnen die Strecke vor. Suchen Sie sich ihre Lieblingsetappe aus, fürs Wochenende, einen Kurzurlaub oder die großen Ferien!
Von Flensburg bis Rosenheim sind sieben BRIGITTE- Autorinnen 2500 Kilometer durch Deutschland geradelt und haben die Routen für die neue große Radtour ausgearbeitet. Sieben Etappen führen von der dänischen Grenze entlang der Ostsee, durch Mecklenburg, an der Elbe entlang und durch den Thüringer Wald, zu Rhein und Neckar, durch das Allgäu bis zu den oberbayerischen Seen - quer durch neun Bundesländer. Jedesmal mit einer großen Streckenkarte und allen nützlichen Tipps zum Übernachten, Einkehren, Entdecken, Einkaufen und Pause machen.
Wenn Sie die BRIGITTE-Tour nachradeln wollen, suchen Sie sich einfach Ihr Lieblingstück heraus.
Im Zug nach Koblenz denke ich noch, er wäre eine Ausnahme: dieser Familienpapa in der Reihe vor mir. Der mir alles erzählt, über jedes Dorf und jeden See, der vorbeirauscht; der mir am Bahnhof Fahrrad und Radtaschen aus dem Zug hievt. Aber dann lerne ich beim Abendessen Anke und Renate kennen. Eine Frage hatte ich gestellt: "Was hat Koblenz denn so zu bieten?" Ihr Vortrag im Duett dauert rund eine Stunde und endet mit "Oh, jetzt haben wir dich vollgequatscht". Dann führen sie mich herum zu ihren liebsten Kneipen und Menschen. Es sind viele. Selbst den pensionierten Ur-Stadtführer von Koblenz klingeln sie aus dem Bett. "Du solltest den Rheinländern nicht zu viele Fragen stellen", warnt mich Anke beim Abschied. "Die quatschen dich tot."
Mit einem Apfelwein ans Wasser in die Sonne setzen: die Bastion zum Schönborn in Mainz-Kastel Der Rhein nährt eben nicht nur die Weinreben und Wälder an seinen Hügeln, sondern auch viele, viele Geschichten. Von der betörenden Jungfrau Loreley oder vom Nibelungenschatz, den Hagen im Fluss versenkt haben soll. Kein Wunder, dass viele Volkssagen hier geboren wurden und im 19. Jahrhundert die Künstler des Landes zur "Rhein-Romantik" strömten.
Der Rhein ist so schön, dass jede Abbildung sofort in Kitsch ausartet, wie all die Postkarten und Schneekugeln beweisen. Von beiden Seiten umklammern ihn düstere Berge, garniert mit Schlössern und Burgen mal romantisch verschnörkelt, mal abenteuerlich verfallen.
Plötzlich kreischen auch noch die Steinadler und Jagdfalken von der Burg Maus über meinem Kopf. In Orten wie Oberwesel oder Bacharach rumpele ich über Kopfsteinpflaster an krummen Fachwerkhäusern vorbei.
Ich fühle mich wie am ersten Tag der großen Ferien. Ab Hohen Viecheln führt der Weg direkt am blau glitzernden Schweriner See entlang. Ich fahre an Kindern vorbei, die sich juchzend mit Wasser bespritzen, an alten Ehepaaren, die Händchen halten und auf den See schauen, an Jugendlichen, die auf der grünen Wiese liegen und zu Hiphop-Musik knutschen.
Sonja Niemann radelte von Wismar nach Magdeburg Im Auto würde mir das alles entgehen. Ich würde auch nicht die Mecklenburgischen und Altmärkischen Schlösser mitten im kleinsten Dorf entdecken. Ich würde unterwegs nicht so viele Störche und Kraniche sehen. Und nie so viele nette Menschen kennen lernen, mit ihnen spontan unter Obstbäumen zu Abend essen oder das Nachtleben von Tangermünde erkunden. Auf dem Fahrrad bin ich mitten drin im Geschehen und kann mich entspannt nach allen Seiten umsehen. Zwischen Wismar und Magdeburg ist nur plattes Land. Genau richtig für alle, die diese Tour mehr als Ausflug und weniger als sportliches Projekt sehen. Am ersten Tag wollte ich es wenigstens bis Schwerin schaffen. Aber dann entdecke ich Wiligrad, und auf einmal ist aller Ehrgeiz vergessen. In der Wiligrader Schlossgärtnerei duften Kräuter und Blumen, eine Hängematte hängt unter Apfelbäumen, nebenan blöken ein paar Schafe. "Bleib doch zum Abendessen", sagt Paul, der im Freiluftcafé arbeitet. Eigentlich hat das Café abends geschlossen. Aber Paul erzählt mir von ein paar Künstlern aus Berlin, die gestern im Schloss eine Vernissage hatten und jetzt zusammen kochen wollen. So kommt es, dass ich an diesem Abend unter freiem Himmel hervorragende Künstler-Spaghetti esse und Lübzer Pils trinke. Als ich müde bin, schlüpfe ich einfach in eins der Gruppenzelte, die am Rand der Wiese stehen. Und als ich frühmorgens zu den Duschräumen gehe, spüre ich Tau unter meinen Füßen.
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