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Vorbei mit dem Sommerloch |
Deutschlands erstes Open-Air Food Market im Biergartenstil GV-Kompakt 6/97 Der Biergarten „Landhaus Food Court" liegt idyllisch direkt am Neckarufer, dicke Kastanien und Platanen spenden wohltuenden Schatten. Leise plätschert der italienische Zierbrunnen, und aus versteckten Lautsprechern dringt gedämpfte Instrumental-Musik. Üppige Pflanzen in Terracotta-Kübeln und zierliche Pavillons vermitteln meditteranes Flair. Dann und wann ist das satte Tuckern des Taxibootes zu hören, das Gäste aus der Heilbronner Innenstadt an die Anlegestelle vor dem Biergarten bringt. Auf dem Tisch ein kühles Hefeweizen oder einen „Roten" aus der Region - und die Welt ist in Ordnung.
Bei soviel Atmosphäre ist es kein Wunder, daß an heißen Tagen 4.500 Gäste gezählt werden. Da kann es an den gemütlichen Biertischen schon mal eng werden, auch wenn das Food Court Platz für 1.500 Gäste bie-tet. Während der Saison von Mai bis September kommen monatlich rund 50.000 Besucher. Vor plötzlichen Regengüssen schützen drei überdachte Pagoden, und nur wenn die Temperaturen gänzlich in den Keller fallen, bleibt der Biergarten nach Absprache zwischen den beteiligten Gastronomen vorübergehend geschlossen. Internationale Küche hautnah zubereitet Gäste, die der Hunger plagt, steuern einfach einen derSelbstbedienungs-Stände an, und können die Zubereitung der Speisen hautnah miterleben. „La Grotta" offeriert vier Sorten italienischer Salate und sechs Pizzen. Der direkt aus den USA importierte Durchlaufofen (Impinger) sorgt dafür, daß niemand lange warten muß: Eine Pizza ist in drei bis vier Minuten knusprig gebacken. Pro Abend laufen so rund 400 Pizzen vom Band. In der „Pastarella" werden Tortellini, Spaghetti und Co. zubereitet (Küchentechnik: Rieber und Pefra). Im Doppelstand „Siam" brutzeln Garnelen, Schweinefleisch und Hühnchen im Wok (Saro Spangenberg). Die gute alte Currywurst mit Pommes gibt's am „LandhäusI". Und wem der Sinn nach einem deftigen Jägerschnitzel oder Maultaschen steht, bestellt in der Gaststätte „Landhaus", der einzigen Einrichtung mit Service und Innenbestuhlung, die auch im Winter geöffnet hat. Längere Schlangen - auch am Getränkestand - gibt es selbst an heißen Tagen so gut wie nie. „Wartezeiten über vier Minuten sind schlecht fürs Geschäft", so Initiator und Geschäftsführer Thomas Aurich. „In Stoßzeiten öffnen wir deshalb sofort unseren zweiten Getränkeausschank und geben Flaschenbier aus." Der Stand eignet sich aber auch für Sonderaktionen. Im Juni beispielsweise übernimmt die regionale Weinwirtschaft die Regie über das Rondell und serviert badische Weinspezialitäten. Spielplatz, Gratiswindeln und Fläschchenwärmer durchdacht sind auch die übrigen Einrichtungen: Sanitärräume mit Behindertengerechtem WC sowie Wickelraum mit kostenlosen Win-In und Mikrowellenherd zum schchenwärmen sind ein Service, nicht alltäglich ist. Der Trend zur Familien- und Kinderfreundlichkeit mit Boulebahn, 15 Bobby-Cars, Elektrobagger, Kinder-Plastikmöbeln und einem Mülleimer in Delphinform Auf der Suche nach einem neuen Objekt stieß der 40jährige vor vier Jahren auf die Vereinsgaststätte des Fußballvereins VfR Heilbronn. Das Gebäude war etwas heruntergekommen, und dem Verein fehlten die Mittel zur Renovierung. „Eine Top-Lage für einen Biergarten", erkannte Thomas Aurich sofort. „Außerhalb der Stadt, direkt neben dem Sportstadion und dem Freibad, rund 800 Parkplätze und ein großer Fahrradabstellplatz direkt vor der Haustüre, gewachsener Baumbestand, viel Platz und der schöne Neckar zum Greifen nah!" Dazu keine Wohnbebauung rings herum. Beschwerden wegen Ruhestörungen waren nicht zu befürchten, einer Ausschankkonzession bis ein Uhr morgens stand damit nichts mehr im Weg. Thomas Aurich pachtete vom Verein das 2.500 Quadratmeter große Areal und investierte 1,2 Millionen DM in seinen Traum vom schwäbischen Food Market. Die „Landhaus"-Vereinsgaststätte wurde auf Vordermann gebracht, fünf neue Food-Stände dazu gestellt und Biertisch-Garnituren angeschafft. Zur Bewirtschaftung der Eßstände (ausschließlich Essen/kein Wegwerf-Geschirr) schaute sich Thomas Aurich in der Heilbronner Gastronomie-Szene um. „Es gibt viele Restaurants, die keinen Freiluftbetrieb haben und im Sommer kaum etwas zu tun haben", so der 40jährige. „Warum einen Teil des Personals nicht an eine Außenstelle mit Open-Air-Betrieb verlegen und damit schönes Geld verdienen?" Er verpachtete die „rohen" Stände (Vertrag über acht Sommersaisons) für je 1.800 DM monatlich, die Gastronomen richteten sich mit der gewünschten Küchentechnik ein, und los ging's. Seither klettert der gemeinsame Umsatz aller Beteiligten in heißen Monaten schon mal auf rund 700.000 DM brutto. Der Ausschank und das Gläserspülen werden von Thomas Aurich und acht Mitarbeitern in Eigenregie betrieben. Die Computer-Schankanlage (Hartek-Cascade), in die der Gastronom rund 200.000 DM investierte, dosiert jedes Getränk automatisch und registriert es. Ein Bier läuft in zehn Sekunden ins Glas: „Frisch, mit der richtigen Menge Kohlensäure und genau temperiert", schwört Thomas Aurich. Rund 1.000 Liter Bier rinnen an guten Tagen durch durstige Kehlen, das macht etwa 50 Prozent des Getränkekonsums im Food Court. |
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